Wir alle wissen, des einen Freud ist des anderen Leid. Nun, ich war die mit der Freud. Nach mehr als einem Jahrzehnt kehrte ich vor kurzem in meine Heimat im Berliner Raum zurück. Außer meinen beiden Kindern, unserem Hund und drei Koffern mit Kleidung besaß ich nichts. Ein Zimmer in einer Wohngruppe wurde zu unserem Übergangslager, bis ich eine passende Wohnung fand. Einen Tag nachdem der Mietvertrag unterschrieben war, erhielt das Büro unserer Wohngruppe einen Anruf. Aus dem Haus eines Verstorbenen sollten dringend Möbel abgeholt werden, das Haus sei verkauft und müsse schnellstens geräumt werden. Ob bei jemanden aus der Wohngruppe Bedarf bestehe?
Wie der Zufall es wollte befand sich das Haus nur drei Kilometer von meiner künftigen Wohnung entfernt. Als ich am nächsten Tag dort vorsprach, glaubte ich im Paradies zu sein. Nicht nur eine Essgruppe mit Stühlen, eine Garderobe, ein Wäschekorb aus Weide und ein Komfortbügelbrett befanden sich unter dem Nachlass. Man bot mir auch sämtliche Küchengeräte, Geschirr, Kochtöpfe, Tupperware, Bestecke, Kleiderbügel und eine Bauknecht Waschmaschine an. Alles war in einem perfekten Zustand. Damit noch nicht genug erbot sich der Mann, der mit seiner Frau das Haus ausräumte, die Waschmaschine zu meiner Wohnung zu fahren und beim Ausladen behilflich zu sein.
Nun frage ich: Wer hätte gedacht, dass Entsorgung Berlin ohne Sortieren, Pressen oder Bezahlen funktionieren kann? Seit ich mit diesem unbekannten Mann jene Waschmaschine in meine Wohnung schleppte, weiß ich, dass Entsorgung etwas sehr Persönliches, ja Menschliches sein kann.
Dienstag, 20. September 2011
Entsorgung Berlin oder wie ich zu meinem Hausstand kam
(Seite 1 von 1, insgesamt 1 Einträge)